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Nachbetrachtung zu meinem Flugunfall vom 09.06.2005

Es ist sehr vielen glücklichen Umständen zu verdanken, dass ich den schlimmen Flugunfall überlebt habe und jetzt nach 5 Monaten schon wieder ein wenig laufen kann.

Mein besonderer Dank gilt den Ärzten der Unikliniken Essen, den vielen Freunden, die für meine Genesung gebetet haben und allen, die mich durch ihre Besuche und Telefonate bei guter Stimmung gehalten haben.

Mit diesem Unfall endet leider mein fliegerisches Leben nach exakt 50 Jahren und mehr als 12.500 Flugstunden. Zum einen möchte ich im letzten Drittel des Lebens mehr Zeit für meine Familie haben, zum anderen sind meine Fußgelenke so schwer bleibend geschädigt, dass ich schon darum das Segelfliegen aufgeben müsste.

Die Höhepunkte meines „Vogellebens” waren der Gewinn des Barron-Hilton-Cup 1985 mit der anschließenden 16-tägigen Einladung ins Segelflugparadies nach Nevada auf die Ranch des Hilton-Hotelkönigs und der dort geflogene 1.000 km Flug mit einer Pegase. Das war gleichzeitig das erste 1.000-km-Diplom, dass auf der Hilton-Ranch bis dato erflogen wurde. 1988 errang ich dann die Deutsche Meisterschaft in der Königsklasse des Segelflugs, der Offenen Klasse. Es folgte ein 1.122 km großes FAI-Dreieck über Wendepunkte in Tschechien und Frankreich zurück nach Betzdorf-Kirchen, viele weitere 1.000 km Flüge, der mehrfache Gewinn der Deutschen Meisterschaft im Streckensegelflug, 3 Winteraufenthalte über je 12 Wochen in Neuseeland mit herrlichen Gebirgsflügen, 8 Wochen Leitung eines Segelflugcamps in Australien, Einladungen zu Segelflugmeisterschaften in andere Länder – u. a. auch nach Island — und viele Segelflugurlaube in außereuropäische Länder. Bei allen diesen Reisen hat mich meine liebe Frau Rita begleitet, die ich 1965 während meiner Studienzeit in Braunschweig als meine Flugschülerin kennen und lieben gelernt habe, und die seit der Abgabe des eigenen Flugscheins unendlich viel Verständnis für meine Leidenschaft aufbrachte.

Dass mit der Droge „Segelflug” auch eine große Gefahr verbunden ist, wissen wir alle — jeder von uns hat schon Freunde verloren. Zu meinem Glück gehörte wohl auch das Sicherheitscockpit der ASH26, ein nur hälftiges Ausreißen der Bachgurte aus der Rumpfstruktur wie auch ein Antischock-Sitzkissen, das mich vor den üblichen Wirbelverletzungen bei solchen Unfällen bewahrt hat. Ich erwähne das besonders, weil ich auch aufgrund meiner Tätigkeit als Beauftragter für Flugunfalluntersuchungen weiß, das ein nicht Vorhandensein der vorgenannten Kriterien entscheidend für einen tödlichen Ausgang sein kann. Wenn es aber der Gesetzgeber nicht schafft, ein Sicherheitscockpit zwingend vorzuschreiben, bei dem dann z.B. die Sitzgurte nicht nur an der wenig belastbaren Sitzschale sondern in der Rumpfstruktur befestigt werden, sollten die Käufer solche Flugzeughersteller meiden, die diesem Sicherheitsstreben nicht die Priorität einräumen, weil das ggf. einen Gleitzahlpunkt oder auch Mehrkosten verursacht.

Kirchen, 03.11.2005

Klaus Wedekind

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